(gar nicht so) Eisiges Klima

Sonntag, 24. April auf dem Tübinger Marktplatz. Wir sind ja nicht hier, um die Leute über den Klimawandel zu informieren, aber heute spüren wir ihn am eigenen Leib: arktische Temperaturen, gelegentliche Schneeflocken, und das Ende April!

Aber hilft ja nichts, heute ist Labortiertag, da sind wir natürlich unterwegs und werben für einen informierten und sachlichen Umgang mit Tierversuchen. So richtig viel los ist heute ja nicht. Die Kollegen von Act for Animals e.V. haben ihre Aktion auf den Samstag vorverlegt, clever, da brummt die Tübinger Innenstadt schon ein bissele mehr als heute… Continue reading

Tag zur Abschaffung der Tierversuche

An diesem Wochenende (23./24.4.2016) finden zum alljährlichen World Day for Lab Animals weltweit Proteste gegen Tierversuche statt. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass ihr gestern oder heute ein Flugblatt in die Hand gedrückt bekommen habt, auf dem schockierende Aussagen zu Tierversuchen stehen.

Die Kurzfassung dieser Flugblätter: Tierversuche sind nicht nur grausam, sondern auch medizinisch unnötig.

Kann das stimmen? Wer würde denn dann überhaupt noch Tierversuche machen? Wenn Ihr darauf Antworten sucht, findet Ihr im Internet meist nur Informationen von genau den Organisationen, die Euch auch schon das Flugblatt in die Hand gedrückt haben. Ganz schön einseitig. Aber zum Glück gibt es auch noch ein paar andere Stimmen – und die findet Ihr genau hier. Auf dieser Seite erklären Wissenschaftler und Studenten aus Biologie, Medizin und verwandten Richtungen, warum wir Tierversuche für notwendig halten.

Wenn Ihr überprüfen wollt, ob die Aussagen auf Flugblättern der Wahrheit entsprechen, empfehlen wir unseren Faktencheck. Weitere häufige Fragen zu Tierversuchen beantworten wir hier. Außerdem klären wir über tierfreie Alternativen auf, und ob Grundlagenforschung wirklich nur nutzlose Neugierforschung ist. Wenn Ihr weitere Fragen habt, könnt Ihr uns jederzeit kontaktieren, und wir antworten Euch garantiert. Auf unserer Facebookseite könnt Ihr auch mit uns diskutieren, wenn Ihr in einem Punkt anderer Meinung seid, wenn Euch etwas komisch vorkommt oder wenn Ihr oder einfach noch einmal genauer nachfragen wollt.

Für den eiligen Leser hier unsere Antwort auf eine Forderung, die dieses Jahr von vielen Tierversuchsgegnern in den Vordergrund gestellt wurde: Sollten wir prinzipiell verbieten, dass Tierversuche einen bestimmten Schweregrad überschreiten?

Es ist selbstverständlich, dass ein Tierversuch, wenn er denn sein muss, so wenig belastend wie möglich durchgeführt wird. In Deutschland wird behördlich kontrolliert, dass sich jeder an dieses Prinzip hält. Deshalb ist jeder wissenschaftliche Tierversuch genehmigungspflichtig und muss mit ausreichend Vorlauf beantragt werden. Dabei wird auch geprüft, ob alles unternommen wird, die Belastung für das Tier zu minimieren, z.B. durch Schmerzmittel nach einer Operation. Was aber, wenn eine wissenschaftliche Frage partout nur mit einer hohen Belastung für das Versuchstier beantwortet werden kann, z.B. in der Schmerzforschung? Müssen wir dann ganz auf die Studie verzichten?

Wir schlagen folgendes Gedankenexperiment vor: Wenn ein Mensch ganz furchtbare Schmerzen leidet, und Du ihm nur dadurch helfen könntest, dass Du genau die gleichen Schmerzen bei einer Maus verursachst – würdest Du es tun?

Diese Überlegung ist nicht aus der Luft gegriffen, sondern die Wirklichkeit für viele Forschungsfelder. Zum Beispiel für Patienten mit thalamischen oder anderen zentralen Schmerzen, bei denen herkömmliche Schmerzmittel nicht wirken. Wie für viele andere Bereiche sind Tierversuche auch in der Schmerzforschung heute noch unersetzlich. Wir sind der Meinung: Wir dürfen diesen Patienten nicht nur helfen, wir müssen es! Aber das können Wissenschaftler und Ärzte natürlich nicht alleine entscheiden. Über diese Fragen muss sich die Gesellschaft als Ganzes einig werden. Wenn Ihr Euch für das Thema Tierversuche interessiert, informiert Euch gründlich über alle Aspekte, und steigt in die Diskussion ein!

Die Insel der Ratten

Wenn die Entscheidung lautet: Entweder viele, viele Ratten töten – oder tatenlos zusehen, wie sie ein ganzes Ökosystem auslöschen. Wie sieht dann ethisches Handeln aus? Umweltschutz auf Anacapa.

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Freilebende Ratte. Quelle: Wikipedia

Die Insel Anacapa beherbergt ein einzigartiges Ökosystem. Sie ist Heimat verschiedener Echsen und Kleinsäuger und gleich mehrerer bedrohter Vogelarten. 145 der dort heimischen Tier- und Pflanzenarten kommen nirgendwo sonst auf der Welt vor. Doch irgendwann kamen die ersten Ratten auf die Insel, vermutlich Continue reading

Gibt es wirklich Organisationen die so etwas sagen?

Nachtrag zum Artikel „Wenn Sie die Wahl hätten: Frikadelle oder Krebsmedikament“

Bei Pro-Test Deutschland bemühen wir uns, niemanden direkt anzugreifen. Wir wollen nicht eskalieren, Fronten verhärten, mit Fingern zeigen. Wir wollen das Gegenteil. Wir wollen unseren Beitrag leisten, verlässliche Informationen verfügbar zu machen, und mit allen anderen Mitgliedern unserer Gesellschaft auf Augenhöhe darüber sprechen, wie moralische Wissenschaft aussehen sollte. Daher habe ich im Artikel „Wenn Sie die Wahl hätten: Frikadelle oder Krebsmedikament“ keine Organisation beim Namen genannt. Mein Ziel war es lediglich, Euch für Widersprüche in bestimmten ethischen Positionen zu sensibilisieren.

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Die Zukunft der Organtransplantation – Xenotransplantation und Tissue Engineering

In zwei parallelen Ansätzen arbeiten Wissenschaftler dafür, das Problem der knappen Spenderorgane ein für alle Mal zu lösen. Welcher von beiden wird das Rennen machen?

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Die erste erfolgreiche Herztransplantation, durchgeführt 1967. Bildquelle: Wikipedia

Nach mehr als hundert Jahren Forschung wurden Organtransplantationen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts medizinische Wirklichkeit. Fortschritte in diesem Medizinbereich führten dazu, dass heute Patienten z.B. mit unheilbarem Herz- oder Nierenleiden ein gesundes Ersatzorgan von einem Spender erhalten können. Das größte Problem dabei ist, dass mehr Patienten neue Organe benötigen, als zur Verfügung stehen. Derzeit warten allein in Deutschland rund 11.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Viele davon sterben an ihrer Krankheit, bevor sie eins erhalten können. Weltweit Zehntausende pro Jahr.

Es gibt zwei große Ansätze in der Forschung, die Organknappheit in den Griff zu bekommen. Einer ist, Organe im Labor nachzuzüchten, das sogenannte Tissue Engineering. Der zweite ist, Organe von Tieren zu verwenden, die sogenannte Xenotransplantation. Mit atemberaubenden Fortschritten liefern sich beide Forschungszweige ein Kopf-an-Kopf Rennen.

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Stimmt es eigentlich, dass…?

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Auf dieser Website stellen wir viele falsche Behauptungen zum Thema Tierversuche richtig. Ein besonders dichter Haufen von Falschaussagen und Halbwahrheiten ist kürzlich auf Flyers in Tübingen verteilt worden. Damit Ihr Euch die Antworten nicht einzeln zusammensuchen müsst, bekommt Ihr hier ebenso gebündelt die Richtigstellungen:

  • Ist die Tierversuchsforschung von den Regeln und Gesetzen des Tierschutzes weitgehend befreit?
    • Im Gegenteil. Tierversuche sind haarklein durch das Tierschutzgesetz reglementiert. Ein Tierversuch darf nur durchgeführt werden, wenn keine gleichwertige tierfreie Methode existiert. Schmerzen müssen soweit irgend geht vermieden werden. Und weil der Gesetzestext sehr trocken ist, empfehlen wir Euch dieses Youtube-Video, das die Gesetzeslage anschaulich erklärt.
  • Werden Tiere in Tierversuchen gequält?
    • Tierquälerei ist, wenn Tieren absichtlich und unnötig Schmerzen zugefügt werden. Das trifft auf keinen Tierversuch zu. Wenn ein Tierversuch „invasiv“ ist, also z.B. Elektroden ins Gehirn eingesetzt werden, müssen Schmerzen soweit es geht verhindert und verringert werden. Deshalb findet die Operation unter Vollnarkose statt und das Tier wird mit Schmerzmitteln nachbehandelt, genau wie das bei einem Menschen gemacht wird. Die einzige Ausnahme ist die Schmerzforschung selbst, die notwendig ist, um dringend benötigte bessere Therapien für Schmerzpatienten zu finden. Aber auch hier wird das Ausmaß der Schmerzen so gering gehalten wie irgend möglich. Z.B. wird beim von Frey-Test lediglich ein Nylonfaden gegen die Fußsohle einer Maus gedrückt, bis sie den Fuß wegzieht. Vor allem sind Tierversuche nicht unnötig, sondern essentiell für den medizinischen Fortschritt.
  • Sind Tierversuche umweltschädlich?
    • Im Gegenteil. Wir brauchen Tierversuche, um effektiven Artenschutz betreiben zu können. Ein Beispiel ist die dringend benötigte Ebola-Impfung für vom Aussterben bedrohte Menschenaffen, die mithilfe von Tierversuchen entwickelt wurde. Ein anderes ist die Rettung des vom Aussterben bedrohten Bengalgeiers, nachdem in Tierversuchen gefunden wurde, was der Grund für das Massensterben war.
  • Sind Tierversuche sinnlos, weil das Ergebnis nicht auf den Menschen übertragen werden kann?
    • Tierversuche sind äußerst sinnvoll und wir verdanken ihnen seit mehr als hundert Jahren fast jeden großen medizinischen Fortschritt. Wir gehen auf diesen Punkt an mehreren Stellen ausführlich ein, z.B. hier.
  • Wären viele nützliche Medikamente beinahe nicht zugelassen worden, weil sie giftig für Tiere sind, z.B. Penicillin und Aspirin?
    • Das segensreiche Penicillin verdanken wir sogar Tierversuchen. Mehr Details zu Penicillin, Aspirin, und Insulin findet Ihr in unserem Faktencheck.
  • Kommen schädliche Medikamente auf den Markt, nur weil Tiere sie gut vertragen?
    • Bevor Medikamente zugelassen werden, werden sie immer an freiwilligen Versuchspersonen getestet (klinische Studien). Erst aufgrund dieser Tests mit Menschen entscheidet die zuständige Behörde, ob die Wirkung eines Medikaments die Nebenwirkungen aufwiegt, also ob es zugelassen werden kann. Tierversuche haben mit diesem Prozess nichts zu tun. Mehr Informationen hier.
  • Bedroht die Forschung mit gefährlichen Krankheiten wie Ebola unsere Sicherheit?
    • Im Gegenteil. Wir müssen Krankheiten erforschen, um rechtzeitig Heilmittel zu finden. Dank der Erforschung von Ebola, auch mithilfe von Tierversuchen, stehen uns heute mehrere wirksame Impfstoffe zur Verfügung, die zurzeit in klinischen Studien getestet werden.

Ihr wisst: Wenn Ihr Euch fragt, was an einer Behauptung zum Thema Tierversuche dran ist, und Ihr dazu keine Information auf unserer Seite findet, könnt Ihr uns direkt kontaktieren. Wir beantworten jede Frage zum Thema Tierversuche.

Wozu Grundlagenforschung?

Wir haben für Euch eine neue Seite auf pro-test-deutschland.de erstellt! Was ist Grundlagenforschung? Wofür brauchen wir sie? Was würde passieren, wenn wir sie nicht mehr hätten? Auf diese Fragen findet Ihr jetzt bei uns Antworten. Wir haben nicht nur harte Zahlen und Fakten für Euch, sondern auch viele erstaunliche Beispiele von bedeutenden medizinischen Entdeckungen, die als reine Neugierforschung begannen.

Als besonderen Leckerbissen haben wir für Euch einen 118 Jahre alten Text des berühmten Wissenschaftlers Santiago Ramón y Cajal aus dem Spanischen übersetzt. Ihr werdet staunen, wie aktuell er klingt.

Damals wie heute werden Wissenschaftler nicht müde, zu erklären, was der Präsident der Rockefeller University Marc Tessier-Lavigne kürzlich so ausdrückte: „Wirklich umwälzendes Wissen kommt von Neugier-getriebener Forschung“.